Die Feldlerche

 

Warum ist die Feldlerche Vogel des Jahres - und das schon zum zweiten Mal?

Mit 1,3 bis 2 Millionen Brutrevieren gehört die Feldlerche (Alauda arvensis) immer noch zu den häufigen Vögeln Deutschlands. Allerdings befinden sich ihre Bestände in einem deutlichen Sinkflug. Ein Drittel der Feldlerchen ist in den vergangenen 25 Jahren verschwunden. In vielen Gebieten fehlt der typische Feldvogel inzwischen völlig.

Ihr bayerischer Bestand lag bei der letzten Erhebung (2009) zwischen 54.000 - 135.000 Brutpaaren. Auf der Roten Liste der Brutvögel Bayerns wird die Feldlerche in die Kategorie "gefährdet" eingestuft.

Die Feldlerche, Vertreter der Bewohner der Agrarlandschaft, war bereits im Jahr 1998 Vogel des Jahres. Es hat damals durchaus ein Echo gegeben, es entstanden Initiativen wie die "Lerchenfenster" - Lücken im Feld, in denen die Lerchen landen und brüten können. Die Maßnahmen haben durchaus genutzt, konnten aber den massiven Abfall der Brutzahlen nicht aufhalten.

Daher steht im logischen Zusammenhang mit dem in den letzten Jahren massiv auffallenden Artensterben, besonders bei Insekten und Vögeln, die Feldlerche als eine der betroffenen Arten stellvertretend erneut für die bedrohten Feld- und Wiesenvögel. 

 

Portrait der Feldlerche

Aussehen, Verhalten:

Die Feldlerche ist für das Leben auf Äckern, Brachen und lockerem Grünland perfekt getarnt. Sie ist 16 bis 18 cm lang, das Gefieder rötlich-beige-braun mit Stricheln an der Brust. Der weiße Bauch ist ungemustert. Das Männchen kann eine stumpfe Haube aufstellen.

Lerchen ducken sich bei Störung, schießen dann plötzlich in die Luft und flatttern ein Stück, bevor sie mit gespreizten Flügeln und Schwanz sachte landen. Im Flug sieht man die weißen Schwanzkanten.

 

Gesang:

Der Gesang der Feldlerche wird meist im Singflug vorgetragen - ein oft viele Minuten langes Tirilieren aus bis zu 200 m Höhe, vom Vorfrühling bis zum Spätsommer, von morgens bis abends, das im Zuhörer ein richtiges Sommergefühl "wie früher" hervorruft. In den Gesang bindet die Feldlerche häufig Imitationen anderer Vogelgesänge ein.Die Feldlerche kann auch verschiedene trockene Ruflaute äußern.

 

Lebensraum:

Offenes Kulturland; eigentlich ein Steppenvogel, ist sie inzwischen auf Wiesen und Felder ausgewichen. Sie meidet höhere Gehölzbestände. Im ausgehenden Winter ist sie gelegentlich in Trupps auf Brachflächen zu sehen.

 

Nahrung:

In kalten Monaten frisst die Feldlerche Pflanzenteile und Sämereien. In den warmen Monaten kommen Insekten, Regenwürmer oder andere Kleintiere wie Spinnen und kleine Schnecken dazu. Diese sind besonders wichtig für die Aufzucht der Jungen, die am besten durch Zufuhr tierischen Eiweißes gedeihen.

 

Brut:

Es werden zwei bis drei Jahresbruten getätigt. Brutzeit ist von April bis Juli. Die Männchen besetzen häufig wieder das Revier des Vorjahres.

Das Nest aus Wurzeln, Halmen und Moos wird in einer Bodenvertiefung angelegt, wober der Untergrund keine Staunässe aufweisen darf. Das Gelege besteht aus 3-5 weißlichen Eiern mit feinen braunen Flecken. Es wird vom Weibchen 13-15 Tage bebrütet, dann werden die Jungen von beiden Eltern 12-15 Tage lang mit Insekten und Sämereien gefüttert. Sie verlassen noch flugunfähig das Nest.

 

Zugverhalten:

Feldlerchen sind Teilzieher, die in Gebieten mit milden Temperaturen überwintern; offenbar wandern auch einige europäische Brutvögel regelmäßig bis nach Nordafrika. Ankunft im Brutgebiet ist im Februar/März, der Wegzug erfolgt im September/Oktober.

 

Gefährdung und Schutz:

Wegen der flächendeckend dichten Acker-Vegetation kann die Feldlerche anstatt zwei oder drei Bruten nur mehr eine Brut pro Jahr großziehen. heute fehlt meistens eine Auflockerung der Landschaft durch Brachen, Sommergetreide oder extensiv genutztes Grünland, in deren lockeren Bewuchs die Vögel häufiger brüten könnten. Stattdessen ist auf den Äckern und Wiesen nur im Frühjahr die Vegetation locker genug für eine erfolgreiche Brut.

Dieser einmalige Bruterfolg reicht einfach nicht, die Bestände der Feldlerchen zu erhalten. Und die eine Brut ist oft auch noch besonders gefährdet: Die Vögel weichen zum Nestbau immer wieder in die Bereiche der gering bewachsenen Fahrspuren aus, womit das Nest durch Nesträuber oder Überfahren häufig verloren ist.

Zudem findet die Feldlerche wie so viele Vögel der Offenlandschaft immer weniger Futter. Sämereien sind ohne Wildkrautbestände, ohne Ackerränder, kaum verfügbar, die Insektenwelt ist durch die Intensiv-Landwirtschaft stark reduziert.

Die Feldlerche wird, wie andere Zugvögel auch, in einigen europäischen Ländern, wie Frankreich, immer noch in Massen gefangen.

 

Hilfe für die Feldlerche:

Verbesserung der Brutflächen: Benötigt werden niedrig und nicht intensiv bewachsene Flächen. Eine Aufgabe für die Politik - Hilfen für die Landwirtschaft, die an Hilfen für den Naturhaushalt gekoppelt sind, der Landwirtschaft aber trotzdem im internationalen Wettbewerb helfen.

Verbesserung der Nahrungsversorgung: Wichtig sind Ackerränder, Blühstreifen usw., die Sämereien und Insekten zur Verfügung stellen. Eine Aufgabe für Landwirtschaft und Politik.

Beendigung der Jagd auf Singvögel. Viele Brutvögel erreichen Deutschland nicht erst - eine Aufgabe für die Politik.

 

Quellen:

https://www.lbv.de/news/details/feldlerche-ist-vogel-des-jahres-2019/

 

Limbrunner, Bezzel et al.: Enzyklopädie der Brutvögel Europas

Franckh-Kosmos Verlags-GmbH Stuttgart 2001

 

Černỳ Walter: Welcher Vogel ist das?

Kosmos Verlag, 1979

 

Dierschke: Welcher Vogel ist das?

Frankh-Kosmos-Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart 2007

 

Svensson et al.: Der Kosmos Vogelführer

Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.KG, Stuttgart 2011

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