Der Star

 

Warum ist der Star Vogel des Jahres?

Man sieht ihn häufig, im Herbst sogar in oft großen Schwärmen - und doch ist sein Bestand in Deutschland in den letzten 20 Jahren um ca. 1.000.000 Brutpaare zurückgegangen. Auf Bayern bezogen hat sich der Bestand entgegen des gesamtdeutschen Trends seit Ende der Neunzigerjahre nicht erkennbar verändert. Auf der Roten Liste Deutschland steht der Star in der Kategorie 3 - gefährdet, zusammen z.B. mit Feldlerche, Mehlschwalbe, Rauchschwalbe. In der Roten Liste Bayern wird der Star als ungefährdet eingestuft.

Je nach Nahrungsangebot und dem Bruterfolg des Vorjahres schwankt der Bestand des Stars in Deutschland zwischen 3 und 4,5 Millionen Paaren. Deutschland beherbergt etwa 10% des europäischen Staren-Bestandes.

Der rapide Rückgang ist auf die massive Intensivierung der Landwirtschaft mit entsprechend folgendem Strukturmangel und auf Brutplatzmangel zurückzuführen. Diese Probleme machen dem Star wie allen Offenlandvögeln allerdings auch in Bayern zu schaffen.

Der Einsatz von Giften vernichtet die Nahrungsinsekten. Wiesen und Weiden werden selten, dazu kommt, dass immer weniger Nutztiere draußen weiden, deren Kot Insekten anlocken würde. Vögel - nicht nur der Star - finden außerdem im Herbst zu wenig Beerennahrung, beispielsweise in Feldhecken. Mangel an Höhlenbäumen und die immer weiter in die Landschaftsräume vordringende Besiedelung erschweren die Erhaltung des Brutbestandes.

 

Portrait des Stars:

Aussehen, Verhalten:

Im Schlichtkleid ist das dunkle Gefieder flächig dicht gelbweiß gefleckt, der Schnabel dunkel. Die weißen Spitzen wetzen sich zur Brutzeit ab, so dass das schwarzglänzende Prachtkleid erscheint. Männchen haben zur Brutzeit eine ungefleckte Brust und eine blaugraue Unterschnabelbasis. Die Weibchen erkennt man an verbliebenen weißen Flecken an der Unterseite sowie gelblich-weißer Schnabelbasis.

Jungvögel sind braun und mausern bald ins geperlte Schlichtkleid.

Stare laufen ruckartig durchs Gras und pieken Löcher in den Boden, weiten das Loch durch „Zirkeln” etwas auf und schauen in das Loch nach Fressbarem. Sie sind etwas kleiner als Amseln und durch ihre Art der Fortbewegung  und den kurzen Schwanz recht gut von diesen zu unterscheiden.

Flug zwischen Ruderflugbewegungen oft gleitend, wobei die dreieckigen Flügel gut erkennbar sind. 

Stare baden ausgiebig und pflegen ihr Gefieder intensiv, um Parasitenbefall zu lindern. Sie betreiben das sogenannte „Einemsen” Dabei suchen sie nach Ameisen, die sie mit dem Schnabel greifen und mit denen sie sich über das Gefieder streichen. Die Ameisen sondern daraufhin Ameisensäure ab, die die Federn benetzt und einem Parasitenbefall vorzubeugen hilft.

 

Gesang:

Vielfältig zwitschernd, knackend, klickend und pfeifend, mit gesträubten Kehlfedern, von Flügelschlagen begleitet. Stare sind großartige Nachahmer anderer Vögel sowie von Klingeln, Pfiffen und anderen Geräuschen. Auch Weibchen singen, aber in geringerem Maß.

 

Lebensraum:

Freie, reich strukturierte Landschaft, möglichst mit feuchtem Grasland, Wälder mit Höhlenangebot. Nahrungssuche auf Wiesen. Übernachtet gern in Schilfflächen, wo man dann im Herbst ganze Wolken an Staren zum Schlafen einfallen sehen kann.

Anpassungsfähiger Kulturfolger, der auch in Städten in Gärten, Parks und Friedhöfen wohnen kann, sofern sich genügend Bruthöhlen finden lassen. Nistkästen werden gerne angenommen.

 

Nahrung:

Im Frühjahr und Sommer Insekten(larven). Auf der Jagd nach aufgescheuchten Insekten halten sie sich gern bei Weidevieh auf.

Im Herbst fressen Stare fast ausschließlich Früchte und Beeren. Als Massenvögel können sie in Wein- und Obstkulturen große Schäden anrichten.

 

Brut:

Höhlenbrüter, nimmt auch Spechtlöcher in Fassaden und Nistkästen an. Das Nest besteht aus einer Unterlage aus trockenen Blättern, Halmen und Wurzelresten, das Weibchen baut es anschließend mit feinem Pflanzenmaterial aus. Stare tragen Pflanzen mit ätherischen Inhaltsstoffen in die Bruthöhle ein. Der intensive Geruch der Pflanzen hilft, Parasiten vom Nest fernzuhalten. Die Vögel lüften und schütteln auch den Nestboden und entfernen den Kot der Jungen sofort. Die Jungen übernehmen das bald selbst.

Paarbildung/-festigung bereits nach der Mauser im September (Herbstbalz mit Gesang) mit zunächst einem Weibchen. Ab Frühjahr brüten ältere Starenmännchen häufig mit mehreren Weibchen (bis zu vier). Weibchen, die kein Männchen mit Höhle abbekommen haben, versuchen manchmal, ihre Eier in unbewachte Starennester zu legen, um wenigstens einen kleinen Fortpflanzungserfolg zu erzielen.

Mitte April, 1-2 Jahresbruten. Gelege: 4 - 8(9) Eier, blassgrünlich hellblau.

Brutdauer 11 -13 Tage, hauptsächlich das Weibchen brütet. Nestlingszeit 17 - 21 (22) Tage, das Weibchen hudert alleine. Beide Partner füttern.

 

Zugverhalten:

Vor-Versammlungen und schließlich Massenauftreten im Herbst. (Jungvögel fliegen schon ab Mai in Gruppen großräumig umher.) Die meisten Brutvögel Europas überwintern in Südeuropa bis Nordafrika, in warmen Gegenden Deutschlands überwintern Stare aber auch.

 

Gefährdung und Schutz:

Einzelvögel und Jungvögel sind durch Sperber oder andere Greifvögel gefährdet, in den großen Schwärmen ist es für diese jedoch äußerst schwierig, Beute zu erwischen. Baummarder, Waschbären, Eichhörnchen, Katzen gefährden die Vögel ebenfalls.

Stare verheddern sich oft in Schutznetzen, die über die Obstbäume gelegt wurden. Eine engmaschige Kontrolle solcher Netze ist unumgänglich!

 

Hilfe für den Star:

Nicht zu hoch wachsende, insektenreiche Wiesenflächen, vielfältige Hecken mit Beerenangebot; künstliche Bruthöhlen und Nistkästen. Sinnvoll bei Neubauten oder Sanierungen ist die Anlage von Brutnischen oder -höhlen. Erhaltung bzw. Ersatz von Höhlen bei Baumsanierungen oder Fällungen dringend notwendig, nicht nur für den Star, sondern für alle höhlenbrütenden Arten.

Vielfältige Landschaften mit genügend Insektenlarven im Boden, beerentragende Hecken zu schaffen, wäre eine große Aufgabe, die allen Feldtierarten zugute kommen würde. Hier ist umsichtige und vernetzt denkende Politik notwendig.

 

Quellen:

Dr. Hermann Stickroth: Vogel des Jahres 2018: Der Star - Jahresvogel mit Attitüde, in: DER FALKE 1/2018, S. 7 ff. 

Der Kosmos Vogelführer 2011, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, S. 370.

Limbrunner, Bezzel et al.: Enzyklopädie der Brutvögel Europas, Bd. 2, S. 344.

Walter Schulz: Lauter Künstler, in: VÖGEL 01/18, S. 76 ff.

NABU und LBV: Der Star - Vogel des Jahres 2018, Präsentation, VdJ2018_Star_Begleittext_2017-10-05.

 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         


Staren-Wolke im Herbst
Foto: Schwarzmaier
Staren-Wolke im Herbst
Foto: Schwarzmaier
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