Der Waldkauz - Vogel des Jahres 2017

Waldkauz
Foto M. Kühn
Waldkauz
Foto M. Kühn

 

Der Waldkauz ist in unseren Breiten die häufigste Eule. Das liegt im Wesentlichen an seiner Anpassungsfähigkeit bezüglich seines Lebensraumes, seiner Brutplätze und der Ernährung.

 

Warum ist der Waldkauz dann Vogel des Jahres geworden?

Sein idealer Lebensraum sind altbaum- und höhlenreiche Laub- und Mischwälder mit Totholz, sein Jagdgebiet vielfältige Landschaftsräume (Lichtungen, Wiesen und Gebüsche). Dies sind besonders wertvolle Lebensräume, die einer artenreichen Lebensgemeinschaft Heimat bieten.

Wer den Lebensraum der Waldkäuze erhält und eine reiche Strukturierung der Landschaft fördert, hilft dem Waldkauz, der ganzen Artengemeinschaft und in vielerlei Hinsicht auch dem Menschen selbst. Dieses vernetzte Denken steht hinter der Wahl zum Vogel des Jahres, auch wenn vordergründig nur diese Eule im Mittelpunkt steht.

 

Portrait des Waldkauzes

Aussehen:

Die Grundfarbe erwachsener Waldkäuze ist entweder rindengrau, dunkelbraun oder rostrot in variablen Ausprägungen. In Mitteleuropa ist die braune Morphe am häufigsten.

Die Gefiederzeichnung besteht ober- und unterseits aus kräftigen dunklen Längs- und schwächer ausgeprägten Querstreifen. Auf Schultern und Flügeln sitzen weiße Tropfenflecken. Die Flügel sind breit und auch unterseits kräftig quer gebändert.

Der Kopf ist groß und rund, die Augen schwarzbraun. Der Waldkauz hat keine Federohren.

Der Gesichtsschleier ist ziemlich einfarbig. Dünne, weißliche "Stirn-Brauen" lassen das Gesicht freundlich erscheinen.

Die Jungvögel werden im 1. Lebensjahr geschlechtsreif.

Der Waldkauz ist etwas größer und viel kräftiger als Waldohreule und Schleiereule. Männchen sind kleiner als die Weibchen.

Körpergröße: 37 - 43 cm

Spannweite:   81 - 98 (-104) cm

Gewicht: Männchen durchschnittlich ca. 440 g, Weibchen 560 g.

Alter: In freier Natur bis zu 19 Jahre beobachtet, in Volieren bis zu ca. 28 Jahren.

Stimme: Der aus vielen Filmen bekannte Ruf "u-u-u-uuuh" sowie verschiedene rauhe bis grell-kreischende Schreie.

 

Lebensraum:

Waldkäuze bevorzugen Laub- und Mischwälder. Er lebt auch in Park- und Gartenanlagen, wenn es dort alte Höhlenbäume, ungestörte Bereiche (auch in Gebäuden) oder Nistkästen gibt. In einigen Fällen brüten Waldkäuze auch auf dem Waldboden oder in Felsspalten oder Erdhöhlen. Manchmal werden auch alte Greifvögel- oder Krähennester bezogen.

In reinen Fichtenwäldern kommt er höchstens in Randbereichen vor. In ausgeräumten Landschaften ohne Bäume fehlt der Waldkauz.

 

Nahrung:

Kleinsäuger bis zur Größe von Junghasen, dazu Kleinvögel bis Taubengröße.

Die Jungen werden regelmäßig auch mit Regenwürmern gefüttert. Außerdem frisst der Waldkauz häufig Käfer, gelegentlich Frösche und Kröten, selten Fische.

Er jagt auch kleinere Eulen wie Sperlingskauz, Steinkauz und Rauhfußkauz, weshalb man ihn in Gebieten mit Vorkommen dieser Arten nicht extra fördern sollte.

 

Balz und Paarbildung:

Die territoriale Phase hat einen Höhepunkt im Herbst, wenn auch die herangewachsenen Jungeulen sich ein Revier suchen. Die Auseinandersetzungen sind von hoher Flugaktivität und häufigem Rufen begleitet.

Vereinzelt kann die Herbstbalz zu sog. "Winterbruten"  im November bis Januar führen, aber im Normalfall fällt die Balzaktivität im Winter auf ein niedriges Niveau. Im ausgehenden Winter geht dann die eigentliche Balz an. Hat sich ein Paar gefunden, bleibt es ein Leben lang zusammen im gleichen Revier.

Das Weibchen sucht den Brutplatz im Revier aus. Das Männchen lockt es dann mit Balzgeschenken und Rufen zur Paarung.

 

Brut:

Nur das Weibchen brütet; es wird vom Männchen versorgt.

Gelegegröße: 1 - 7 Eier, im Schnitt 2 - 4 Stück, weiß.

Brutzeit je nach Witterung ab Februar, normal aber im März.

1 - 2 Jahresbruten.

Brutdauer 28 - 29 Tage pro Ei; diese werden im Abstand von 2 - 3 Tagen gelegt und mit der Brut etwa ab dem 2. oder 3. Ei begonnen.

Die Jungen öffnen ihre Augen am 9. Lebenstag.

Sie verlassen das Nest im Alter von 30 - 32 (- 35) Tagen, springen auf den Boden und arbeiten sich über Gebüsch, Zweige und Baumstämme auf einen sicheren Sitzplatz empor.

 

Waldkäuze verteidigen ihren Brutplatz aggressiv und können Störer ernsthaft verletzen!

 

Die Sterberate der Jungkäuze beträgt etwa 50 % im ersten Jahr, in den nächsten Jahren etwa noch 25%.

 

Gefährdung und Schutz:

Der Waldkauz ist Beute des Uhus und des Habichts. Dies allerdings gefährdet die Art natürlich nicht.

Es sind wie immer menschengemachte Ursachen, die zum unnötigen Tod von Waldkäuzen führen:

 

• Im Straßenverkehr kommen sehr, sehr viele Waldkäuze um. Eine Umgestaltung des Umfelds von Straßen ist auch wegen des massiven Verkehrstods anderer Eulenarten und z.B. Mäusebussarden dringend notwendig. Auch entlang von Bahnstrecken sterben Vögel in ungezählter Menge – man sieht sie nur nicht so häufig.

 

Kamine und Lüftungsschächte, aus denen sie nicht mehr hinauskommen, sowie der Anflug an Leitungsdrähte fordern jedes Jahr unzählige Todesopfer. Forderungen, Leitungsdrähte dauerhaft zu markieren, bestehen schon lange. Es ist notwendig, auch für den Schutz anderer Arten, Kamine und Schächte sicher abzudecken.

 

• Wie alle Beutegreifer vergiftet der Waldkauz sich häufig an vergifteten Mäusen im Wald und der Agrarlandschaft. Schutzmaßnahmen für den Waldkauz beinhalten immer auch die Forderung nach einem Ende der Giftausbringung.

 

 

Quellen: 

Limbrunner, Bezzel et al.: Enzyklopädie der Brutvögel Europas

Franckh-Kosmos Verlags-GmbH Stuttgart 2001

 

Svensson et al.: Der Kosmos Vogelführer

Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.KG, Stuttgart 2011

 

Mebs / Scherzinger: Die Eulen Europas

Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.KG, Stuttgart 2012

LBV QUICKNAVIGATION