Bayerns Mehlschwalben werden immer weniger

 

Dachau, 02. Juni 2015

Nachdem sich bereits Anfang Mai eine verspätete und rückläufige Ankunft der Mauersegler in Bayern abgezeichnet hatte, zeigt das Endergebnis der Stunde der Gartenvögel Plus 2015, dass es um die derzeitige Situation der Mehlschwalben im Freistaat sogar noch schlechter bestellt ist. Bei der elften Ausgabe der gemeinsamen Mitmachaktion des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) und seines bundesweiten Partners NABU zählen die beliebten Zugvögel zu den großen Verlierern. Freuen kann sich der LBV hingegen über mehr als 9.000 Naturfreunde, die über 210.000 Vögel zählten und somit für das drittbeste Teilnahmeergebnis in der Geschichte der Aktion sorgten. Im Landkreis Dachau flog in diesem Jahr der Haussperling (Spatz) trotz Verlusten mit 343 Sichtungen immer noch deutlich auf Platz eins. Damit konnte die Amsel nicht ganz mithalten: sie erreichte Platz zwei mit 291 Meldungen im Landkreis Dachau. Platz drei ging in Dachau an den Feldsperling mit 203 Meldungen.

Zum ersten Mal in elf Jahren mussten die Naturschützer darum bangen, dass die Mehlschwalbe am Ende überhaupt noch zu den zehn häufigsten Gartenvogelarten in Bayern gehört.

„Die Mehlschwalben haben das Katastrophenjahr von 2013 immer noch nicht wieder aufgeholt und sind stellenweise, zum Beispiel in Münchner Stadtvierteln, komplett ausgestorben“, so die LBV-Gebäudebrüterexpertin Sylvia Weber. Die zunehmende Bebauung vor allem in Südbayern und rund um die großen bayerischen Städte hat eine Versiegelung der Flächen zur Folge, welche zunehmend die Fluginsekten schwinden lässt. Ein Problem nicht nur für die Schwalben, sondern auch für andere Insektenfresser wie Mauersegler und Hausrotschwanz. „Zudem können kaputt gegangene Nester von den Vögeln oft nicht mehr ausgebessert oder überhaupt neu gebaut werden, weil die Schwalben gar keine offenen Böden mit feuchtem lehmigen Material mehr finden“, so die LBV-Expertin.

Auch die bei der Aktion zum zweiten Mal erhobene Zahl der Häuser mit Schwalbennestern in Bayern sank noch einmal deutlich. Nach knapp zehn Prozent im Vorjahr halbierte sich dieser Wert nun fast noch einmal. „Mehlschwalben und Mauersegler sind als Gebäudebrüter vom Verlust von Gebäudenischen bei Renovierungen oder sogar von der mutwilligen Entfernung ihrer gesetzlich geschützten Nester von der Hausfassade betroffen“, erklärt Sylvia Weber weiter. Auch in Neubaugebieten, wo für Schwalben eigentlich gute Bedingungen herrschen sollten, da geeignetes Baumaterial und Hausdächer vorhanden sind, werden die Vögel zunehmend vergrämt und ihre Nester illegal entfernt. „Die Hausbesitzer haben Angst um ihre saubere neue Fassade, dabei kann diese leicht vor Kotspuren geschützt werden und die Verschmutzung ist ohnehin auf einige Wochen im Jahr beschränkt“, sagt Weber weiter.

Unter den häufigen heimischen Vogelarten weist der Feldsperling erneut eine starke Zunahme auf und sichert sich bereits zum zweiten Mal in Folge Platz Nummer sechs in den heimischen Gärten. Im Landkreis Dachau landet der Feldsperling sogar auf Platz drei (Vorjahr Platz 5). Er verbesserte sich zahlenmäßig gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig, profitierte aber vom "Schwächeln" der Kohlmeise und des Stars. Langfristig zeigt die Tendenz im Landkreis aber deutlich nach oben. Somit erhärtet sich der Trend, dass immer mehr Vogelarten in Bayern aus der freien Landschaft in Dörfer und Städte ziehen. Der Gesamtbestand des ländlichen Vetters des Haussperlings nimmt nämlich nicht zu, sein Vorkommen verschiebt sich lediglich.

Dabei steht die Zunahme im Siedlungsraum im starken Gegensatz zu dem Verlust seines Lebensraums in der Agrarlandschaft, von dem auch viele andere Feldvögel betroffen sind.

Die weiteren Plätze belegten in Dachau die Kohlmeise (198 Meldungen), der Star (172) und die Blaumeise (129). Alle Endergebnisse können landkreisgenau auf www.stunde-der-gartenvoegel.lbv.de eingesehen werden. Interaktive Karten zeigen, wie sich eine Vogelart an einem ausgesuchten Ort oder Landkreis entwickelt hat. 

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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